Flo ist nun seit knapp dreieinhalb Monaten in England (in der Nähe von Bournemouth), und für Weihnachten und den Silvesterrutsch und so weiter ist er nach Deutschland eingekehrt. Da bot sich auch ein Auftritt an, und so spielte tonair am zweiten Weihnachtsfeiertag im Bad Wörishofener (BW) Jugendzentrum (JuZe). Es war lediglich Zeit für zwei Bandproben, und am Auftrittstage machte man sich aus den verschiedenen Ecken auf nach BW. Flo war ein bisserl krank, Andi war ein bisserl mehr krank, aber ansonsten ging es der Band gut.
Aufgrund feierlicher Verpflichtungen konnten wir erst am frühen Abend eintreffen, so daß es zu keinem Soundcheck kam, aber die Jungs waren sich sicher, daß ein Line-Check für den Auftritt reichen würde (was er auch vollkommen tat). Als alle am JuZe eingetroffen waren, das übrigens direkt an einem Bahnübergang liegt, traf man die blutjunge Bookerin Anna. Naja, blutjung ist etwas übertrieben, aber die Alliteration klingt toll. Anna versorgte uns erstmal mit Essen (Maultaschen mit Gemüse und einer Zwiebelsoße) und brachte uns zum Backstage-Raum. Dieser Raum ist vielmehr der nicht gut geheizte Geräteschuppen des JuZe. Dort schminkte und gestaltete sich bei unserer Ankunft eine der insgesamt sechs Bands. Gestalten deswegen, weil sie bunten Haarspray anwendeten und gerade ihre Netzstrumpfhosen anzogen.
Flo brachte das passende Zitat, das uns wie ein roter Faden begleitete: “Ich merke gerade, wie spießig ich bin.“. Daraufhin meinte ich, daß ich mir "reichlich overdressed" vorkomme. Abgeschlossen wurde diese Gesprächsrunde durch “Nun gut, wir sind alle Popper, und die haben schon früher immer eins auf den Deckel bekommen.“, aber so weit kam es dann doch nicht.
Beim Auftritt sind mir die gepflegten Mädchen im Publikum aufgefallen, wohingegen die Jungs das glatte Gegenteil darstellten. Die Setlist des heutigen Abends war auf die volle Rockschiene ausgelegt, demnach kam keine Akustikgitarre zum Einsatz. Technisch lief alles gut, nur gab es Aussetzer bei “Starting all over“. Scheinbar herrschten dort Kontroversen über die Tonarten und Akkorde etc. Oh Gott, ich darf nicht zu viel über diese Seite von Musik schreiben, weil das ganz schnell ganz peinlich werden kann.
Nach dem Auftritt gab es leider keine Zugabe, dafür sind zwei Überraschungsgäste aufgetaucht, über deren Kommen wir uns sehr gefreut haben. Josua mußte sehr zeitig wieder nach Aichach fahren, weil er dort am selben Abend eine Party mitveranstaltet hat. Diese Party wurde, wie ich am nächsten Tag erfahren habe, sehr erfolgreich und war ein Lichtblick für die eher triste Ausgehlage der Aichacher Jugendlichen und Halberwachsenen. In dieser Hinsicht hat mich Josua vollstens aufgeklärt. Wobei es nicht viel aufzuklären gab, denn es ist einfach nichts los in Aichach.
Zum Schluß komme ich nicht umhin, mich selbt ein wenig zu bauchpinseln. Mein heutiges Opfer für die Band war: Um sieben an einem Feiertag aufstehen, sechs Stunden Zug fahren und zwischendrin frierend auf Anschlußzüge warten. Aber ich würde es immer wieder aufs Neue tun!
der schneemann: paul |